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Was ich als Bewerberin nicht mehr sehen, hören oder lesen mag

Vor einiger Zeit habe ich in einem Posting auf einen Artikel des "Standard" verlinkt, in dem angeführt wurde, was sich Recruiter wünschen. Auch Arbeitgeber haben eine schier endlos lange Wunschliste an potenzielle neue Mitarbeiter. Was aber meiner Meinung nach zu wenig beleuchtet wird, ist die Frage: Was wollen eigentlich die Menschen, die auf Arbeitssuche sind? Ausgehend von dieser Frage habe ich mir überlegt, was ich nicht mehr sehen, hören oder lesen mag. Also, liebe potenzielle Arbeitgeber: Diese Dinge kommen bei Arbeitssuchenden, die womöglich schon seit längerer Zeit nach einem neuen Job suchen, gar nicht gut an. Glaubt mir. Ich weiß das sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus Gesprächen mit anderen Menschen, die in derselben Situation sind wie ich.

Der Klassiker: die 0815-Absage

Das kennt praktisch jeder Mensch, der sich auf Arbeitssuche befindet: Man steckt eine Menge Zeit und Energie in die Bewerbungsunterlagen, gibt sich redlich Mühe, sich von seiner besten Seite …

Von zermürbender Arbeitslosigkeit und Hoffnungsschimmern

Es ist eine Weile her, seit ich zuletzt hier gebloggt habe. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits habe ich natürlich weiterhin Bewerbungen geschrieben und speziell im Juni bzw. Juli eine regelrechte Fülle von Vorstellungsgesprächen gehabt, die größtenteils zwar vielversprechend verliefen, letztlich aber doch in Absagen gipfelten. Andererseits habe ich versucht, meinen Tagesablauf strukturierter zu gestalten. Das sah dann eine Weile so aus, dass ich morgens aufgestanden bin, gleich mal meinen Sport gemacht hab (mit DVDs von US-Trainerin Jillian Michaels - schwer empfehlenswert, die Frau). Danach ging's an die Jobsuche bzw. ans Schreiben von Bewerbungen, und der Nachmittag war in den vergangenen Wochen meistens für Nähprojekte reserviert.

Es bleibt einem ja auch gar nichts anderes übrig, als sich selbst einen strukturierten Tagesablauf zu erstellen. Sonst fällt man in ein Loch. Denn wenn sich Absage an Absage reiht, bleibt das nicht ohne Folgen. Zwar darf man eine Absage nicht per…

Notstandshilfe, here I come

Es klingt vermutlich etwas überheblich, wenn ich das so sage, aber: Als ich im November 2017 meinen damaligen Job gekündigt habe, habe ich nicht einmal ansatzweise damit gerechnet, so lange arbeitslos zu sein. Ich dachte, innerhalb von drei, vier Monaten würde ich wieder Arbeit haben. Schließlich habe ich eine Menge Berufserfahrung, bin nicht grade schlecht auf meinem Gebiet, will auch unbedingt wieder arbeiten und bin auch bereit, für weniger Gehalt als zuletzt zu arbeiten. Trotzdem bin ich nach wie vor auf der Suche, schreibe Bewerbungen, kassiere Absagen und habe Phasen, in denen ich in Selbstmitleid versinke. Der Umstand, dass mein Anspruch auf Arbeitslosengeld kommende Woche ausläuft, macht das Ganze natürlich nicht besser. Denn jetzt steht die Notstandshilfe ins Haus.

Deren Höhe wird auch daran bemessen, wie viel mein Mann verdient. Im Unterschied zum Arbeitslosengeld ist nämlich der Verdienst des Ehepartners bei der Notstandshilfe ein Faktor, der einbezogen wird. Anders gesagt:…

Arbeitslos? Selber schuld!

Eigentlich hatte ich ja, als ich im November meinen damaligen Job gekündigt habe, ganz optimistisch angenommen, dass ich relativ rasch wieder was finden würde. Einfach, weil ich viel Berufserfahrung habe und auch finde, dass ich in meiner Branche ganz gut bin - ich gehöre zwar sicher nicht zu den Top-Leuten, aber ich kann was. Und ich muss zugeben, die ersten paar Monate waren eine willkommene Pause, die ich auch sehr, sehr dringend gebraucht habe.

Nur: Mittlerweile bin ich genervt und verstehe beim besten Willen nicht, warum die Jobsuche dieses Mal so lange dauert. Ich schreibe regelmäßig Bewerbungen, habe auch immer wieder Vorstellungsgespräche und bekomme Dinge zu hören wie "Wir hatten über 100 Bewerber, davon wurden nur 18 zum Gespräch eingeladen" - das freut natürlich das Ego, ebenso die Mitteilung, dass ich für einen Job in der engeren Auswahl war. Da muss doch mal was dabei sein, oder?

Tja. Im Endeffekt bekomme ich immer dieselben höflichen, teilweise mit Phrasen vers…

Rezension: Paul Lafargue, Das Recht auf Faulheit

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Paul Lafargues Traktat "Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des 'Rechts auf Arbeit' von 1848" erschien erstmals im Jahr 1880 in der Wochenzeitschrift "L'Égalité, und schon auf den ersten Seiten ist klar, dass hier ein überzeugter Sozialist schreibt. Die Sozialisten, so Lafargue in der Einleitung, müssten gegen den Kapitalismus vorgehen, und auch dem Kommunismus scheint er nicht abgeneigt zu sein - wenig verwunderlich, war sein Schwiegervater doch Karl Marx.

Der kurze Text ist insofern bemerkenswert, als Lafargue Probleme anspricht, die auch die moderne Arbeitswelt kennzeichnen. Dabei greift er zum Stilmittel der Übertreibung, gibt sich teils satirisch, dann wieder klassenkämpferisch, widerspricht sich hin und wieder auch selbst. Die Grundaussage bleibt aber dieselbe: Das "Dogma der Arbeit" führt zu individuellem und sozialem Leid. Dadurch, dass alle immer mehr arbeiten, wird die Gesellschaft "in jene industriellen Überproduktionskrisen" g…

Empört euch!

Es gab mal eine Zeit, da habe ich mich begeistert in Online-Debatten eingebracht, vor allem in den Foren heimischer Tageszeitungen. In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass mich das immer weniger interessiert, aus einem einfachen Grund: Die Empörungskultur, die auch dank der sozialen Medien immer stärker um sich greift und teilweise gezielt befeuert wird, macht eine vernünftige Diskussion weitgehend unmöglich. Und wenn sich nicht grade jemand über etwas empört, dann kann es gut sein, dass man an einen Besserwisser gerät, der einfach Recht haben will.

Ganz aus meiner Haut kann ich aber dann doch nicht. Hin und wieder habe ich das Gefühl, auf einen Kommentar reagieren zu müssen. Dann fange ich an, eine Antwort zu schreiben, nur um sie in 90 Prozent der Fälle am Ende wieder zu löschen anstatt sie abzuschicken. Weil mein Hirn mir dann sagt: Das ist es einfach nicht wert. Wozu soll ich mich mit einem überzeugten FPÖ-Wähler anlegen, der felsenfest die Meinung vertritt, dass die derzeitige Reg…

Schöne neue Arbeitswelt

Es ist mittlerweile fast ein halbes Jahr her, seit ich zuletzt gearbeitet habe, und meine selbst gewählte Arbeitslosigkeit dauert nun schon knapp vier Monate an. Langsam merke ich, dass mir die Decke auf den Kopf fällt. Und ich komme mit den Anforderungen der modernen Arbeitswelt nicht mehr so richtig klar bzw. stoße ich mich inzwischen an Dingen, die mich im Vorjahr, als ich ja auch auf Arbeitssuche war, nicht weiter gestört haben. Vieles, was jetzt folgt, ist auf wachsenden Frust und auch etwas Selbstmitleid zurückzuführen, teilweise klinge ich vermutlich auch zynisch und verbittert. Aber das haben Momentaufnahmen eben auch so an sich - sie fangen ein, wie's einem gerade geht und bilden nur einen Teil der eigenen Persönlichkeit ab. Falls ich also so klinge, als würde ich jammern und mich selbst bemitleiden: Ja, das tue ich im Moment. Aber das geht vorbei.

Zurück zum eigentlichen Thema - die schöne neue Arbeitswelt. Sie ist immer wieder auch Gegenstand von Artikeln in Tageszeitun…